
Über 150 Jahre „Auf geht’s beim Schichtl“
Das Traditionstheater auf dem Oktoberfest
Der Münchner Ex-Oberbürgermeister Christian Ude hat einmal geschrieben: „Eine Wiesn ohne Schichtl ist nicht denkbar. Der Schichtl ist so unerlässlich wie das Bier, der Radi und die Hendl.“ Und da hat er auch vollkommen Recht.
Der Schichtl ist seit 1869 die größte handgemachte Gaudi auf dem Münchner Oktoberfest, ein lustig-makabres Vergnügen, das schon Generationen überlebt hat, aber bei dem täglich Dutzenden den Kopf verlieren. Die „Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine“ ist einer der ältesten, seriösen Münchner Wiesn-Traditionen. Fast so alt wie der Frühstücksrausch und deutlich älter als das Bierzelt-Zusperren.
Schichtl-Theater als Immaterielles Kulturerbe Bayerns ausgezeichnet
Das Schichtl-Theater ist in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Damit wird eine über 150-jährige Tradition gewürdigt, die bis heute lebendig fortgeführt wird.
Seit seiner Gründung im Jahr 1869 steht das Schichtl für eine einzigartige Form des Volks- und Illusionstheaters. Generationen von Künstlerinnen und Künstlern haben diese besondere Theaterform geprägt und weitergegeben. Von der berühmten Guillotinen-Nummer bis zur charakteristischen Parade vor dem Theater.
Die Auszeichnung hebt insbesondere die kontinuierliche Praxis, die Weitergabe von Wissen innerhalb des Ensembles sowie die kulturelle Bedeutung des Schichtl-Theaters hervor. Es ist ein Beispiel dafür, wie Tradition nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt und weiterentwickelt wird.
Für das Schichtl-Kabinett ist diese Anerkennung Bestätigung und Auftrag zugleich: die eigene Geschichte bewusst zu tragen und die kulturelle Praxis auch in Zukunft lebendig zu halten.

Die Historie vom Schichtl auf dem Oktoberfest
Der Ziehsohn von Michael August Schichtl (* 22. 11.1851, † 16.02.1911), Johann Eichelsdörfer, übernahm das Theater bis zu seinem Tod in 1954. Seine Frau Franziska lenkte die Geschicke das Varietés weiter und verkaufte es 1985 aus Altersgründen an den Quereinsteiger aus der Münchner Großmarkthalle Manfred Schauer, dem Tradition und ordentliches Feiern ein echtes Anliegen ist. Nicht nur importierte Tradition ist ihm wichtig, schließlich gibt es die hierzulande auch.
Das Kabinett vom Schichtl ist hoffentlich noch sehr lange das Gleiche und wird sicherlich auch weiterhin eine große Vergangenheit noch vor sich haben.
In diesem Sinne freuen wir uns auf Morgen – weil’s Gestern so schön war!
Der Schichtl von der Wiesn – Manfred Schauer
Bildquellen: Münchner Stadtmuseum, Noack’sche M. A. Schichtl-Stiftung

